Nordkurier vom 27.05.2013

Lodernde Leidenschaft für das sanfte Glühen

Wolfgang Wysmyk aus Waren hatte sich schon Hoffnungen auf den ersten Platz gemacht. Vergebens. Nach 34 Minuten ging seine Glut aus. Nachzünden war nicht erlaubt.

FOTO: c. schönebeck

VonCarsten Schönebeck

Verkehrte Welt: Diesen Wettbewerb gewinnt der langsamste Teilnehmer. In Sommerstorf wurde am Sonnabend der Ostdeutsche Meister im Pfeifenrauchen gekürt.

Sommerstorf.„Ich komme jetzt rum und will von jedem ein Wölkchen sehen“, sagt Michael Leyk und legt seine bauchige Pfeife aus der Hand. Der Wirt im Gasthaus „Zum Hufschmied“ in Sommerstorf hat gut reden. Für die 15 anderen Herren im Raum wird der Genuss zum Wettbewerb. Es geht um den Titel des Ostdeutschen Meisters im Pfeifenrauchen. Leyk ist der Schiedsrichter.
Eine halbe Stunde vorher liegt noch alles in Reih und Glied auf den Kampfplätzen. In Plastik verpackt: Pfeife, Stopfer, drei Gramm Tabak und zwei Streichhölzer. „Alles streng nach Vorschrift“, erklärt Nils Thomsen, Vorsitzender des Ostdeutschen Pfeifenraucherverbandes. Mehr als 70 Regeln sollen für faire Bedingungen sorgen. Die wichtigste: Wer seine Pfeife am längsten glühen lässt, hat gewonnen. Ganz ernst will auch er den Wettbewerb nicht nehmen. „Für uns ist das einfach ein Anlass, um zusammen zu qualmen und zu quatschen“, sagt er.
Im „Hufschmied“ treffen sich die Pfeifenraucher der Region regelmäßig. Die Holzvertäfelung des Gastraumes zieren Pfeifen, Tabaksbeutel und Zubehör. Auf einem der Tische liegen 48 Pfeifen – fein säuberlich auf schwarzem Tuch aufgereiht. Große, schmale, weiße, klobige und filigrane Exemplare. Für jeden Geschmack etwas dabei.
Die Clubs aus Sommerstorf, Berlin und Wriezen (Brandenburg) haben am Samstag Teilnehmer entsandt. Bestimmt werden Einzel- und Mannschaftssieger. Die Favoriten stehen längst fest. „Die Wriezener gewinnen fast jedes Mal“, sagt Thomsen. Es gäbe schon Gerüchte, dass sie ein Trainingscamp im Hochgebirge hätten, erklärt er schmunzelnd.
Fünf Minuten haben die Teilnehmer, um ihre Pfeife zu stopfen. Eine Minute zum Anzünden. Verkniffene Gesichter, energisches Saugen. Entspannung, als die ersten Tabakwolken den Gastraum füllen und zur niedrigen Decke aufsteigen. Binnen Minuten ist das Wettkampffeld in Rauch gehüllt.
Michael Leyk hat ein wachsames Auge auf die Teilnehmer und die Uhr. Nach einer halben Stunde bricht das Feld auseinander. Immer öfter ist das Klopfen der Pfeifen auf der Tischplatte zu vernehmen. Das vorgeschriebene Zeichen dafür, dass die Glut erloschen ist. Das erhoffte Favoritensterben bleibt aus. Drei Teilnehmer aus Wriezen unter den letzten Vier. Die Mannschaftswertung ist ihnen sicher. Dirk Plenter rettet die Ehre der Gastgeber. Mit knapp 57 Minuten belegt er den dritten Platz. Nils Nestler holt sich den Sieg. Eine Stunde und 16 Minuten pafft er an den drei Gramm Tabak. Nicht rekordverdächtig, aber was soll‘s? Dafür ist der Wettbewerb am späten Nachmittag zu Ende. Da bleibt genug Zeit für Kaffee oder ein Glas Rotwein. Und für ein zweites Pfeifchen beim Fachgespräch unter Tabakfreunden.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

Nordkurier vom 18.1.2013

Freunde des guten Rauchs unter sich

Von unserem Redaktionsmitglied Carina Göls

Sie „pfeifen“ auf vieles, was andere umtreibt. Und dabei geht es ihnen gut. Im Pfeifen-Kollegium Sommerstorf lädt der „Hufschmied“ zu Lakritze-, Orangen- und Schokoladenduft... Und jeder bekommt sein Wölkchen.

Sommerstorf. Hier liegt was in der Luft... Zugegeben, mögen muss man das schon, was die Männer um Michael Leyk umwölkt – wenn sie konzentriert und genüsslich ihre Pfeifen schmauchen. Dann ist die hohe Zeit des Som-merstorfer Pfeifenkollegiums angebrochen. Ganz dem geselligen „Piepe röken“ hingegeben, leben sie ein kleines Stück Kulturgeschichte im Tabakrauch. Doch mit Verlaub, d a s ist es nicht, was die ausnahmslos Männer regelmäßig an einen Tisch bringt. In einer Zeit, in der Raucher mehr und mehr aus der Öffentlichkeit ausgestoßen werden, finden diese Liebhaber des aufwändigen Pfeifen-Procederes beim „Hufschmied“, dem Wirtshaus von Michael Leyk, in Sommerstorf Freude und Entspannung im Genuss. Dort reifte auch die Idee, einen Pfeifenclub zu gründen. „Als das Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen aufkam, habe ich den Pfeifenstammtisch gegründet“, sagt Michael Leyk. Mittwochs am Stammtisch duftet es dann beispielsweise nach Lakritze, Orangenschokolade, Vanille und anderen Köstlichkeiten aus dem Tabak-Reich, die es im lieblichen Dunst zu entdecken gilt.An jedem 3. Freitag im Monat treffen sich zudem Genießer des 24-köpfigen Vereins zum thematischen Pfeifenabend. Einige kommen eigens aus Rostock und Berlin in das Dorf, um in puncto „Pfeifen“ dazuzulernen. Schließlich gehören zum Club der Tabakfreunde Fischer, Kunstmaler und gar ein Seemann. Und wenn ihnen allen nichts mehr einfällt, dann laden sich die Freunde des guten Rauchs Fachleute wie einen Pfeifenmacher oder Tabak-Kenner ein. Alles im Dienste des geselligen Genusses.                                                                                  Das Opa-Image will hier niemand pflegen. Und die Zeiten seien auch vorbei, da die dampfende Pfeife im Mund dieses Bild einbrachte. „Dafür sorgt die Industrie“, versichert Michael Leyk. Kultig und cool, klassisch und in allen Preislagen käme die Kon-struktion mit Mundstück und Kopf längst daher, um auch die junge Käufer zu entzünden. Was bei Leyk schon vor mehr als 40 Jahren als Student begann, um sich von anderen „normalen“ Rauchern abzuheben, habe ihn bist heute nicht losgelassen. Und ähnlich wie bei Frauen und dem Thema Schuhe müsse es bei Pfeife-Rauchern verschiedene Modelle zu bestimmten Anlässen, sprich Stimmungen, geben. So haben Leyk und seine paffenden Partner Lieblingspfeifen, die sie bevorzugen – für eine gewisse Zeit, oder für immer. Vielfalt und unterschiedlicher Geschmack ihrer Pfeifen lässt keine Langeweile zu. Pfeifenraucher, so weiß Michael Leyk, erliegen nicht einem kurzen, süchtigen Vergnügen. Sie nehmen sich Zeit und Muße, ihrem Hobby zu frönen. Ihre Schätze aus Bruyère (ein Wurzelholz), Meerschaum, Ton, Mais oder Glas müssen fachmännisch geraucht und akribisch gepflegt werden, um dauerhaft Freude zu bereiten. Stinkende ungepflegte Kolben haben im Sommerstrofer Kollegium keine Chance.Frauen hingegen durchaus. Noch sind es jedoch nur Männer, die dem rauchenden „Kopf“ verfallen sind. „Dabei sind Neulinge willkommen“, sagt Leyk. Heute hingegen werden die Piepen-Röker noch mal unter sich sein, wenn sie um 19 Uhr zu ihrer Jahreshauptversammlung zusammenkommen. Pfeiferauchen ausdrücklich erwünscht.

Kontakt zur Autorin: c.goels@nordkurier.de

Nordkurier vom 19.12.2011

Nordkurier Artikel vom 15.03.2011

So schön kann Pfeiferauchen beim "Hufschmied" sein   Pfeiferaucherinnen finden allerdings eher selten den Weg an den "Stammtisch". FOTO: silke Voß Von Silke Voß Sommerstorf. Zumindest architektonisch scheint in Sommerstorf die Welt noch in Ordnung: Hier steht nämlich die Kneipe gleich neben der Kirche. Und der Gasthof wirkt wie eine der letzten Bastionen gegen die Hektik unserer Zeit. Bereits beim Betreten der gemütlichen, mehr als 200 Jahre alten Stube wähnt man sich in einer Almhütte. Ein großer Kachelofen auf den knarzenden Dielen vermittelt Wärme. "Hufschmied" Michael Leyk mit gezwirbeltem Schnauzbart bedient seine Gäste. Und in einer Zeit, in der Raucher mehr und mehr aus der Öffentlichkeit ausgestoßen werden, stoßen hier Liebhaber des aufwändigen Pfeifen-Prozederes zu bestimmten Zeiten noch gemächlich ihre Tabakwolken aus: An jedem 3. Freitag im Monat. Der Gastwirt selbst sammelt seit mehr als 30 Jahren Tabakpfeifen aus europäischen Ländern. So hat er inzwischen rund 500 verschiedene Pfeifen zusammengetragen. Das nächste Treffen ist bereits am Freitag ab 19 Uhr. Willkommen ist übrigens nicht nur das Stammpublikum, sondern jeder, der in die Kunst des Pfeiferauchens eingewiesen werden beziehungsweise einfach mal im wahrsten Wortsinn reinschnuppern möchte. Denn er wird umwolkt von interessanten Tabak-Mischungen wie betörende Vanille, kräftige Lakritze und Schokolade mit Orange.

Presseartikel am 19.2.2007 im Nordkurier Müritzausgabe

Presseartikel vom 21.2.2007 im Anzeigen-Kurier

Presseartikel im "Genießer News" Winter 2007

Presseartikel im Müritz Blitz am Sonntag, 11.3.2007

Presseartikel im Nordkurier am 21.5.2007

Presseartikel im Nordkurier am 3.4.2009